Anmutung gestalten
Nachfolgend werde ich kurz auf die wesentlichen »Knackpunkte« bei der Gestaltung einer (positiven) Anmutung im Rahmen des Screendesigns eingehen. Entscheidend ist natürlich immer die konsequente Ausrichtung auf die
Erwartungen und Wünsche meiner Zielgruppe. Ergebnis einer positiven Anmutung ist, dass sich meine Zielgruppe auf meiner Site wohlfühlt.
Das Screendesign sollte immer eine
gesunde Mischung sein aus
- auf Rationalität beruhenden Gestaltungsweisen und
- individueller, gefühlsmäßiger Design-Ausführung.
Rationalität ist dann angesagt, wenn es darum geht, unangenehme »Nebenwirkungen« auszuschließen. Dies betrifft vor allen Dingen die Lesbarkeit,Augenfreundlichkeit und Übersichtlichkeit des Screendesigns. Eine Erfüllung dieser Design-Kriterien wird von so gut wie jedem Besucher erwartet und sollte deshalb vom Designer auch angestrebt werden. Andernfalls wird das Screendesign als unangenehm empfunden.
Durch die Gestaltung der
emotionalen Design-Kriterien Stimmung, Ästhetik und Harmonie kann ein Designer die Anmutung in bestimmte Bahnen lenken.
Schließlich gibt es einen Faktor, der die Anmutung besonders prägt und der deshalb im Zentrum aller Gestaltungsbemühungen stehen sollte: Die
Schnelligkeit des Seitenaufbaus.
Die Anmutung eines Screendesign setzt sich zusammen aus den rational gesteuerten Kriterien (Lesbarkeit, Augenfreundlichkeit, Übersichtlichkeit), emotionalen Kriterien (Stimmung, Ästhetik, Harmonie) und der Schnelligkeit des Seitenaufbaus.
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Lesbarkeit
Das Verwenden einer ganz kleinen Schriftgröße in Kombination mit einem schwachen Farbkontrast zum Hintergrund gehört zu einer verbreiteten »Designer-Krankheit«. Besonders beliebt: Dunkelgraue Minischrift auf schwarzem oder dunkelblauem Hintergrund. Dieser Design-Stil hat zwar eine gewisse Ästhetik, wirkt edel, nur: Ein Besucher drückt nicht gerne seine Nase gegen den Bildschirm, nur um einen Text lesen zu können.
Was ihn anstrengt, liest er nicht. Was er lesen muss und ihn anstrengt, ärgert ihn. Bei Sites, die in erster Linie Textinformationen liefern, sollte natürlich besonders auf die Lesbarkeit geachtet werden.
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Übersichtlichkeit
Das kommt oft vor: Man betritt eine Seite und wird regelrecht von Text- sowie Bildelementen erschlagen. Viele Screendesigns sind darauf angelegt, möglichst viel auf einer Seite unterzubringen. Dadurch entsteht aber oft Durcheinander. Es ist klar, dass dahinter die Angst steckt, ein Besucher könnte die Site verlassen, ohne Alles gesehen zu haben. Aber auch beim Anlegen des Screendesigns gilt der Grundsatz
»Weniger ist mehr«, denn die Besucher fühlen sich allzu schnell überfordert und verlieren schnell den Überblick. Außerdem haben sie keine Lust, sich erst einmal mit dem Aufbau einer Seite zu beschäftigen.
Eine praktikable Lösung ist die Unterteilung in
zwei, maximal drei klaren Zonen: Eine dient der Navigation, eine dem Inhalt und eine Dritte z.B der Werbung oder besonderen Angeboten. Diese Zonen sollten konsequent durch alle Seiten durchgezogen werden.
Der Raum eines Screendesigns sollte so eingeteilt sein, dass die
Zielgruppe das für sie Wichtige sofort im Blick hat. Diese Fokussierung kann erreicht werden, indem man das Außenrum bewußt unauffällig hält (z.B. keine Ablenker wie Bilder an den Rand stellt) und das Wichtige relativ
nahe am Seitenkopf platziert. Durch den geschickten Einsatz von Farben und Formen kann der Blick des Besuchers ebenfalls auf das Wichtige gelenkt werden.
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Augenfreundlichkeit
Hell auf Dunkel oder Dunkel auf Hell? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Aus ergonomischer Sicht ist es für die Augen am Bildschirm auf Dauer weniger anstrengend, wenn man eine
helle Schrift auf dunklem Hintergrund verwendet. Aber: Das stimmt auch
nur bei Labor-Bedingungen, also günstigem Umgebungslicht und entspiegelten Monitoren. Sobald ein Raum mit Tages- oder hellem Lampenlicht durchtränkt wird, was durchaus bei vielen Besuchern der Fall sein dürfte, kann man hell auf dunkel nur noch schwer lesen, weil die Spiegelungen den Kontrast abtöten – schon ausprobiert?
Deshalb empfehle ich persönlich eine
dunkle Schrift auf hellem Hintergrund. Man sollte sich aber davor hüten, einen rein-weißen Hintergrund zu verwenden. Denn der Monitor ist, anders als Papier, eine Lichtquelle. In dieses Gegenlicht muss ein User die ganze Zeit blicken. Klar, dass ein rein-weißer Hintergrund auf Dauer zienlich blendet und sehr anstrengt. Man sollte daher eine helle, aber
in der Strahlkraft abgeschwächte Hintergrundfarbe verwenden (z.B. ein blasses Grau oder einen blassen Farbton).
Augenunfreundlich sind übrigens in der Regel
Hintergrundbilder bzw. -strukturen. Denn im Gegensatz zu einem konstant einfarbigem Hintergrund kann sich das Auge bei vielen Hintergründen nicht entscheiden, was zum Hintergrund gehört und was zum Vordergrund. Das ständige Scharf- und Unscharfstellen strengt an. Auch ergeben sich teilweise sehr
ungünstige Kontraste zwischen Vordergrund und Hintergrund. Will man also eine Hintergrundgrafik verwenden, dann sollte diese nur ganz schwach sichtbar sein.
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Stimmung
Die Stimmung, die ein Screendesign bei einem Besucher erzeugen soll, kann relativ gut vom Designer vorausbestimmt werden. Maßgeblich verantwortlich für die Stimmung eines Screendesign sind die verwendeten
Farben und deren Zusammenspiel.
Helle, freundliche Farben wirken auch auf Besucher freundlich. Dagegen wirken dunkle Farben auf den Betrachter unbewußt kalt, zwielichtig und eher traurig. Ein dunkler Hintergrund erzeugt eine düstere Grundstimmung und ist deshalb in der Regel nicht für die Zielgruppen der meisten Unternehmen tauglich. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen (z.B. Mystik-Angebote).
Aus der Wahrnehmungspsychologie wissen wir, dass eine
dunkelblaue Farbe Seriösität und Verlässlichkeit ausstrahlt (deshalb ist dies auch die bevorzugte Farbe von Banken, Versicherungen, Beratungsunternehmen).
Rot strahlt Leidenschaft und Wärme aus,
Grün Umweltbewußtsein, Naturverbundenheit und Einfachheit,
Gelb und Orange-Töne Lebensfreude und Spaß.
Mit diesem Wissen können Screendesigner durchaus die
Anmutung in eine von ihnen bestimmte Richtung lenken. Aber auch hier sollte man aufpassen, dass man es nicht zu sehr übertreibt und einen Farb-Cocktail zusammenmischt, der die Harmonie des Designs zerstören könnte.
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Ästhetik
Ästhetik bzw. eine ästhetische Erscheinung ist heute in fast allen Bereichen wichtiger denn je. Faltenfrei, kein Gramm falsch verteilt, gepflegt bis in letzte Detail, diese Ansprüche werden heute an Personen gestellt, die ästhetisch anmuten wollen.
Auch beim Screendesign gibt es
ästhetische Kriterien, einige davon folgen sogleich:
- Grafiken sollten nicht »ausgefranzt« aussehen,
- ein schönes Make-up wird durch Schatten und Schattierungen erreicht,
- Buttons und grafische Elemente sollten nicht groß und plump aussehen,
- Kanten sollten durch Anti-Aliasing geglättet werden,
- es sollten keine standardisierten GIFs oder Grafiken verwendet werden, die man schon von anderen Seiten kennt,
- es sollten keine Frame- oder Tabellenrahmen im Systemgrafik-Stil erzeugt werden.
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Harmonie.
Harmonie, die
»innere Ruhe« des Screendesigns, wird im Zusammenspiel zwischen Farbe, Form und Proportion erreicht. Es gibt durchaus allgemeingültige Gestaltungsregeln für eine harmonische Anmutung (z.B. Goldener Schnitt), aber die wird man in HTML nur sehr schwer umsetzen können (Stichwort: Browserproblematik).
An dieser Stelle ein Patentrezept für ein harmonisches Screendesign vorzustellen ist genauso wenig möglich, wie eine allgemein gültige Beschreibung eines gut schmeckenden Essens zu liefern. Ausgangspunkt sind bei beiden
gewisse Zutaten, aus denen dann ein
harmonisches Ergebnis geformt werden soll. Bei beiden kann der übermäßige Einsatz einer Zutat dazu führen, dass das Ergebnis am Ende unausgeglichen und unharmonisch schmeckt.
Farb-Harmonie wird durch eine ausgewogene Mischung aus reinen Farben und
neutralisierenden (farbigen) Grautönen erreicht. Weiter harmoniefördernd ist, eng »bebauten« Flächen
leere »Ruhe-Zonen gegenzustellen. Schweren Formen sollte an anderer Stelle ein
optisches Gegengewicht gegenübergestellt werden, damit das Bild nicht kippt und keine optische Schlagseite entsteht.
In jedem Fall harmoniezerstörend ist das Verwenden vieler verschiedener Schriftarten und -größen auf einer Seite! Man sollte sich für zwei Schriftarten und maximal zwei Schriftgrößen pro Website entscheiden. Für den normalen
Echt-Text verwendet man eine Browserkompatible Schriftart, für die
Auszeichnung von Buttons und Menüs eine Schmuckschrift oder die »Hausschrift«. Die
Schriftgröße sollte auf einer Seite konstant gehalten werden. Ausnahme bilden Überschriften oder vom Fließtext getrennte, besondere Text-Auszeichnungen wie Bild-Unterschiften etc.
Letztendlich kommt es auf das
individuelle Gespür des Designers an, ob die Gesamtanmutung harmonisch ist, das Essen schmeckt, oder ob das Design schreit und der Besucher es scheußlich findet.
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Schnelligkeit (des Seitenaufbaus).
Es ist ein
wichtiges Qualitätskriterium eines Screendesigns, dass der Seiteninhalt schnell geladen ist. Denn es erzeugt direkt negative Emotionen beim Besucher, wenn er ewig warten muss. Selbst bei Websites, die einen sehr interessanten Inhalt bieten, bleibt beim Besuchern doch ein
negativer Nachgeschmack, wenn sich der Seitenaufbau zu langsam vollzieht. Es bleibt dann ein zwar interessantes, aber zähes Gebilde in Erinnerung.
Grafiken sollten deshalb klein gehalten, keine unnötigen Ladezeitenfresser-Schmuckgrafiken verwendet und der Seitenaufbau so geplant werden, dass der Inhalt und die Navigation schnell erscheinen, das Außenrum hat dann etwas mehr Zeit.
Fazit. Es ist natürlich klar, dass auch ein in Sachen Anmutung gelungenes Screendesign nicht alleine die Kohlen aus dem Feuer holen kann, wenn eine mißlungene Steuerung (Navigation) oder ein schlechter Inhalt den Besucher verärgern bzw. enttäuschen.
Dass die oben genannten Empfehlungen nicht so konkret ins Detail gehen, hängt damit zusammen, dass die Erwartungen und Geschmäcker
je nach Zielgruppe sehr unterschiedlich sein können. Was bei der Zielgruppe des einen Unternehmens positiv wirkt, mutet u.U. bei der Zielgruppe eines anderen Unternehmens sehr negativ an. Entscheidend ist jedoch immer – und das kann nicht oft genug wiederholt werden–, dass das Screendesign bei der eigenen Zielgruppe positiv ankommt und auf diese ausgerichtet ist.